Christa Picard

 

Mein Leben bisher:

Ich wurde 1950 in Bremen geboren. Der Zweite Weltkrieg war fünf Jahre zu ende, aber wir Kinder spielten noch immer in den Trümmern der zerbombten Häuser. Die Volksschule, die ich besuchte, war schon neu erbaut, ebenso ein Teil des Mädchengymnasium, auf das ich ab der 5. Klasse ging. Doch zu Beginn war es uns noch verboten Hosen zu tragen, das gehörte sich nicht für eine junge Dame.
Bis zum Abitur veränderte sich viel. In der Oberstufe bezogen wir zwar den Altbau des Kippenberg-Gymnasiums, trugen inzwischen aber Jeans und Miniröcke. Wie einige andere war ich ziemlich aufmüpfig und diskutierte heftig mit meinen Lehrern.
1969 begann ich in München Psychologie zu studieren. Kurz vor dem Diplom lernte ich Winfried kennen und wir bezogen 1975 unsere erste gemeinsame Wohnung. Nachdem ich drei Jahre als Diplom-Psychologin gearbeitet hatte, wurde unser erster Sohn Björn geboren, knapp eineinhalb Jahre später unsere Tochter Marieke.
Nach unserem Umzug nach Hessen wurde ich freie Mitarbeiterin in einer Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche. Hier erblickte auch Arne, unser Jüngster, das Licht zur Welt. Noch einmal wechselten wir den Wohnort: 1989 kauften wir einen Resthof in Grasberg bei Bremen und richteten hier eine psychotherapeutische Praxis ein, in der wir dreißig Jahre praktizierten. Gleichzeitig baute Winfried Gemüse an, viele Tiere lebten mit uns auf dem Hof.
2001 zogen Marieke und Björn nach dem Abitur fort, 2005 folgte ihnen Arne.
Von jetzt an lebten wir zu zweit mit ein oder zwei Katzen und mehreren Hühnern auf dem Hof. Doch immer wieder besuchten uns unsere Kinder allein oder mit ihren Partnern, später auch mit ihren Kindern, die Familie wuchs. Für uns gab es nun mehr Zeit zum Reisen, Seminare anzubieten, Musik zu machen und zu schreiben.
Wir wurden älter und begannen unsere psychotherapeutische Arbeit zu reduzieren und vor kurzer Zeit ganz zu beenden. 2018 übergaben wir unseren Hof an Björn und seine Familie und zogen in ein kleineres Haus in Worpswede.
Hier hoffen wir noch lange gut zu leben und kreativ zu sein.

 
Wie ich zum Schreiben kam:

Geschichten haben mich schon sehr früh fasziniert. Ich erinnere mich noch ein großes bebildertes Märchenbuch, aus dem meinem Bruder und mir öfter vorgelesen wurde.
Und dann gab es noch den Kinderfunk, der einmal in der Woche von Radio Bremen gesendet wurde. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich völlig versunken vor dem Radiogerät im Wohnzimmer saß und zuhörte.
Später erzählte mein Vater viel aus seiner Kindheit, von seinen wunderbaren Sommerurlauben in Ostpreußen, der Heimat seiner Großmutter und seinen Jugend in Berlin, in der er umsonst alle Stummfilme ansehen durfte, die sein Vater auf dem Klavier begleitete. Mit der Zwergenfibel begann eine neue Zeit: ich lernte zu lesen! Von jetzt an tauchte ich selbst in die Welt der Fantasie ein.
Es war in der dritten Grundschulklasse, als wir als Hausaufgabe ein Herbstgedicht fortsetzen sollten. In den ersten Zeilen verabschiedet sich der Sommer, es wird kälter, Wind kommt auf und die Blätter beginnen sich zu verfärben. In meiner Version, die mehrere Strophen umfasste, verwelken sie immer mehr und verlassen traurig den Baum. Wie stolz war ich, als ich meine Verse vor der Klasse vorlesen durfte! Enttäuscht war ich vom „richtigen“ Ende des Gedicht, in dem die Blätter lustig tanzend auf die Erde fielen.
In unserer Nähe gab es eine Volksbücherei, in das ich regelmäßig mit dem Rad fuhr und immer mit einem Stapel voller Jugendbücher in der Satteltasche zurückkehrte. Später las ich alle Romane aus dem Bücherschrank meiner Eltern, auch wenn ich viele noch nicht wirklich verstand.
Im Alter von zwölf Jahren begann ich mit dem Schreiben. Mir fällt noch die Geschichte eines Mädchens ein, das in einem süddeutschen Waisenhaus lebt und plant, in ihr Traumland Österreich zu fliehen. Am Abend im Bett füllte ich die Seiten einer Kladde, kam aber letztlich nur zu dem Zeitpunkt, als sie endlich den Weg durch den Zaun des Heims findet.
Ein zweiter Entwurf spielte in Tibet kurz nach der Besetzung durch die Chinesische Regierung. Zwei Brüder, deren Familie in der tibetischen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielte, sollen von chinesischen Soldaten aus dem Elternhaus genommen und in ein Heim gebracht werden. Dort sollen sie im Sinne der neuen Regierung erzogen werden. In einer Nacht werden sie von tibetischen Helfern außer Landes gebracht. Sie müssen eine langen Fluchtweg antreten, der sie über Himalajapässe nach Indien und durch viele andere Länder führt, bis sie in – Österreich landen. Das war damals mein Lieblingsland, in das unsere Familie im Sommer zum Wandern fuhr. Aber auch dieses Mal schaffte ich nicht mehr als ein paar Seiten. Stattdessen las ich weiter, Romane und im Studium wissenschaftliche Bücher. Als unsere Kinder geboren wurden, las ich ihnen am Abend vor oder erfand eigene Geschichten. Ich schrieb einige Gedichte, die aber nur für meinen Mann und einige Freunde gedacht waren. Vor einigen Jahren erwachte in mir wieder die Lust zum Schreiben einer längeren Geschichte. Es begann alles mit einem Seminar über Kriegskinder, an dem ich 2004 als Co-Leiterin teilnahm. Die Erlebnisse der Eltern und Großeltern, die Krieg und Vertreibung erlebt hatten, hinterlassen auch seelische Spuren bei ihren Kindern und Enkeln. Im Seminar erinnerte ich mich wieder an die Erzählungen meines Vaters über seine Ferien in Masuren und über die Familie meiner Großmutter. Sie bildeten zusammen Gespräche mit Verwandten und Informationen aus Archiven die Grundlage für den Roman „Unfreiwillige Wege“.
Jetzt ließ mich das Schreiben nicht mehr los. Inzwischen leitete ich selbst Seminare, in denen ich Kolleginnen in ein imaginatives psychotherapeutisches Verfahren und in die Symboltherapie einführte. Im Roman „Annas Weg“ beschrieb ich die fiktive psychotherapeutische Behandlung eines jungen Mädchens. In der Geschichte versuchte ich aufzuzeigen, wie sich Kriegstraumata noch auf nachfolgende Generationen auswirken können.
Inzwischen wohnten wir schon mehr als zwanzig Jahre auf unserem Resthof im Teufelsmoor. Jetzt erwachte mein Interesse an der Geschichte der Vorbesitzer unseres Hofes, die mit zu den Gründern des Moordorfes gehörten. Wie beim ersten Roman besuchte ich mehrere Archive und führte ich Gespräche mit Verwandten und Nachbarn. So entstand das Buch „Die Engelkens – eine Familiengeschichte aus dem Teufelsmoor“.
In dieser Landschaft spielen auch in den folgenden drei Kriminalromane, in denen das Ermittlungsteam der Kommissare Peter Köster und Gisela Schmidt schwierige Fälle lösen musste. Und wie in den anderen Büchern spielen zeitgeschichtliche Ereignisse eine Rolle. Das Recherchieren war ebenso spannend wie das Schreiben. So entstanden innerhalb von neun Jahren sechs Romane.

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